Die von Energie Tirol organsierte Veranstaltung „Zurück in die Zukunft – im Kreislauf Bauen“ fand am 04.05.2022 in der Stadtbibliothek Innsbruck statt und behandelte energie- und ressourcenrelevante Themen für die Zukunft Tirols.

Unsere Mitarbeiterin und Energiecoach Tamara Bacher war bei den Vorträgen dabei und hat die wichtigsten Punkte der unterschiedlichen Redner festgehalten. In unserer Beitragsreihe möchten wir Ihnen eine Zusammenfassung zur Veranstaltung geben und Ihnen unsere Eindrücke schildern.

Impulsvorträge der Experten rund um das Thema Kreislaufwirtschaft und Bauen im Kreislauf

Bei den Impulsvorträgen kamen die Experten der Branche zu Wort und erklärten die Grundlagen der Kreislaufwirtschaft im Bau sowie dem Einsatz dieser Überlegungen bei Projekten. Die Impulsvorträge hielten dabei:

  • Prof. Dr. Martin R. Stuchtey, Gründer von SYSTEMIQ und Professor für Ressourcenstrategien und -management an der Universität Innsbruck
  • Anett Brandl von Energie Tirol
  • DI Thomas Romm ZT, Architekturbüro forschen planen bauen ZT Wien & Gründer von „Baukarussell
  • DI Arch. Christoph Müller, Baubüro in situ AG Zürich

Martin R. Stuchtey: Was für Auswirkungen unsere Ressourcenverbrauch hat & was wir ändern müssen.

Die Energiewende und der Umgang mit Ressourcen stellt eine existenzielle Debatte dar, da hier in großer Linie umgedacht und umstrukturiert werden muss. Die Ukraine-Krise beschleunigt beispielsweise die Energiewende, da erst jetzt klar deutlich wird, wie wichtig eine Energieautonomie ist.

Die Ressourcenkrise wird beispielsweise am Thema Plastik im Ozean sehr deutlich, denn Herr Prof. Dr. Martin R. Stuchey hat berechnet, dass auf 3 Kilogramm Fisch im Ozean ein Kilogramm Plastik kommt – ein völlig neues und fundamentales Paradigma darstellt.

Als weiteres Beispiel hat Deutschland 80 % der Insektenbiomasse seit der Wiedervereinigung verloren. Anschaulich wird das Grundproblem auch am Wirbeltiervorkommen: 33 % des Wirbeltiervorkommens sind nämlich Menschen, 64 % sind Nutztiere und 3% sind wilde Tiere. Das ist eine vollkommende Marginalisierung der natürlichen Welt. Biodiversität, die man einmal vernichtet hat, kommt nie wieder zurück – sie ist irreversibel.

Ein riesiges Thema stellt der Klimawandel dar, um nämlich auf den geforderten maximal 1,5 °C Temperaturanstieg zu bleiben, welcher für die Erde noch verkraftbar wäre, müssten immense Änderungen passieren. Zwischen heute und dem Jahr 2050 müssten wir den Gasausstoß halbieren und parallel dazu noch Co2 senken im Wert von 15 Gigatonnen jährlich.

Im Bereich Ressourcen muss sich der Umgang grundlegend verändern, wir verbrauchen weltweit 90 Milliarden Tonnen Material, leider wird sich dieser Wert nicht verringern. Für das Jahr 2050 wird der Ressourcenverbrauch auf 160 Milliarden geschätzt. Gleichzeitig nimmt die Ressourcenproduktivität ab, also die Fähigkeiten, aus Ressourcen Wohlstand zu erzeugen, stagniert oder nimmt sogar ab.

Dabei helfen nur noch vollständige Systemerneuerungen wie die Energiewende. Als erster Baustein muss der Energiesektor dekarbonisiert werden, als zweites muss der industrielle Sektor dematerialisiert werden. Als dritter Baustein muss die Natur regeneriert werden.

In der EU wird diese Vorgehensweise bereits diskutiert, dabei steht die Ressourcenwende von Anfang an im Mittelpunkt. Der sogenannte European Green Deal beinhaltet die Punkte Energiewende, Mobilitätswende, Landwirtschaftswende, Ernährungswende, Finanzierungswende, Forschungswende und Klimagesetze.

Ganz besonders wichtig ist auch die circular economy als zentralen Punkt, denn ohne Ressourceneffizienz und Wiederverwertbarkeit ist die Umsetzung der genannten Punkte unmöglich. Wenn uns dies gelingt, profitieren wir als Mensch zusätzlich von einem verbesserten Ressourcensystem gleich mehrfach.

Lebenswertere Städte, lebenswertere Mobilitätssysteme, lebenswertere Ernährungssysteme, ein attraktiveres Wirtschaftssystem und außerdem befreien wir uns auch von den Abhängigkeiten von anderen Ländern, was aktuell noch wichtiger wird.

Anett Brandl: Der „Materialfußabdruck“ Österreichs

Ein Gebäude durchläuft einen bestimmten Lebenszyklus, welcher mit dem Bau des Gebäudes beginnt. Rohstoffe müssen erzeugt und dann zu Produktionsstätten gebracht werden, die fertigen Teile müssen dann auch wieder an den Zielort geliefert werden.

Neben dem großen Faktor Transport spielt die Produktion der einzelnen Baustoffe und schlussendlich die Planungsphase und Errichtung des Gebäudes eine Rolle. Nach der Betriebsphase finden wir uns irgendwann am „end of life“ wieder. Die Frage ist dann, was passiert am Ende des Lebenszyklus des Gebäudes mit den verschiedenen Baustoffen.

In diesem Zusammenhang kommt man mit dem Begriff Materialfußabdruck in Verbindung, da stecken die Rohstoffe, Verpackungsmaterialien der Transport usw. drin. Diese Materialfußabdrücke können gesamt auf die Bevölkerung heruntergerechnet werden und für Österreich ergeben sich folgende Summen: Pro Einwohner wurden 33 Tonnen Materialien im Jahr 2017 verwendet.

Ganz Österreich hat insgesamt im Jahr 2019 71,26 Tonnen Abfall produziert und die Recyclingrate liegt bei ca. 40 %. Recycling ist allerdings sehr (energie)aufwändig. Gleichzeitig stammen rund 76 % des gesamten Abfallaufkommens Österreichs aus dem Bauwesen, ca. 40-50% ohne Aushub (also alles im unterirdischen Boden nach dem Mutterboden und dem Hummus)

Die Wiederverwertung von Beton wäre essenziell für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. In Österreich wird bis zu 80 % der Betonmasse wiederverwendet, allerdings nicht mehr im Gebäude, sondern eher in der Infrastruktur als Unterfüllung für den Straßenbau. Auch im Bereich Altholz und Aushubmaterial gibt es starkes Verbesserungspotenzial.

Thomas Romm: Recycling auf der Baustelle – wie soll das gehen?

DI Thomas Romm ist Gründer vom „Baukarussell“, einem Sozialwirtschaftlichen Projekt, welches mithilfe von 7 Stakeholder-Gruppen Standards für ressourcenschonendes Bauen setzen will.

Dabei soll Recycling auf der Baustelle zur Realität werden. Rohstoffe wie Aluminium und Kupfer sollen wiederverwendet werden, im besten Fall auch Parkettböden oder Fenster. Normalerweise werden sie bei Bauabrissen verschrottet, verbrannt und neu hergestellt.

Die Priorität liegt dabei am Aushub, wir verbrauchen nämlich viel mehr, als überhaupt bewegt werden kann. Deshalb geht es nicht darum, Kreisläufe zu schließen, sondern ein neues Paradigma im Bauen zu generieren. In unserer Zeit bedeutet das, dauerhafter, robuster und langlebiger zu bauen.

Die Klimaziele für Tirol besagen, dass wir bis 2030 25 % Material sparen und bis 2050 schon 50%, aber in der Realität kann nicht das gleiche Haus mit 50 % weniger Material gebaut werden.

Wir haben die Materialien, die wir benötigen Großteiles schon auf der Baustelle. Es gelingt dem „Baukarussell“, Versieglungsneutral zu bauen. Thomas Romm spricht außerdem von einer 7. OIB-Richtlinie mit dem Titel Kreislaufwirtschaft zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen.

Christoph Müller: Leuchtturmprojekte im nachhaltigen Bauen werden Alltag

Das Baubüro in situ ag Zürich ist ein Pionier in Sachen Wiederverwendung von alten Bauteilen. Geplant und gebaut soll werden, je nachdem was gerade zur Verfügung steht. Seit der Gründung werden Transformationen und Adaptierungen von Bestandsgebäude und modulare Projekte im Neubau verwirklicht.

Der Bestand liefert das größte Potenzial im Bereich nachhaltiges Bauen, auch die Wiederverwendung von Bauteilen soll vorangebracht werden. Die Kombination aus Bestandserhalt und Wiederverwendung von Bauteilen ist die ideale Lösung, um emissionsarm zu bauen.

Das bedeutet in der Praxis, Bestandsgebäude werden einfach umfunktioniert, erweitert oder adaptiert und demontierbare und wiederverwendbare Materialien werden abgetragen und wiederverwendet.

Der Planungsprozess muss bei diesen Projekten so gestaltet werden, dass der Plan jederzeit adaptiert werden kann, je nachdem, welche Materialien im Laufe des Projektes zur Verfügung stehen. Die Versteifung auf einen Entwurf ist demnach nicht möglich und auch Aspekte wie Richtlinien und Normen müssen betrachtet werden.

Die Kosten bei Projekten aus vorhandenen Materialien entstehen früher, da man die Materialien direkt kaufen muss, sobald man sie findet. Die Planungskosten an sich liegen 20 % höher als bei konventionellen Projekten. Dass diese Art von Bauen günstiger ist, ist leider ein Trugschluss.

Mehr zur Veranstaltung gibt es hier:

Sie haben dazu Fragen oder brauchen generell Beratung von einem Immobilienmakler?

Wir sind als Immobilienmakler in Tirol tätig und stehen Ihnen auch als Sachverständiger für Immobilien in Tirol mit unseren Leistungen zur Verfügung. Zudem suchen wir als Bauträger in Tirol immer wieder Objekte, die zum Verkauf stehen und sich für die Umsetzung unserer Projekte eignen. Sollten Sie also eine Immobilie oder ein Grundstück besitzen, das Sie verkaufen möchten, können Sie uns ebenfalls gerne kontaktieren.

Sie erreichen uns per Telefon (+ 43 512 580 242), E-Mail (immobilien@arealita.at), Kontaktformular oder Sie kommen zu einem persönlichen Gespräch in der Kaiserjägerstraße 30 in Innsbruck vorbei.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Tamara Bacher

 

© Tamara Bacher

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